Festival 2016

PRESSE1_quer_web


I n a l l e r M u n d e

Schmackhafte und weniger schmackhafte Details zum Netzwerk Ernährung
Festival von 4. – 18. Juni 2016

Festival-Öffnungszeiten:

Eröffnung am Sa 4. Juni, 17 – 24 Uhr
So 5. Juni, 17 – 21 Uhr
Mi 8. – So 12. Juni & Mi 15. – Fr 17. Juni, 17 – 21 Uhr
Finale am Sa 18. Juni, 17 – 24 Uhr

Von 4. bis 18. Juni gestalten rund achtzig, national und international tätige Kunstschaffende 26 Kunst-Projekte zum Thema „In aller Munde. Schmackhafte und weniger schmackhafte Details zum Netzwerk Ernährung“, darunter Ausstellungen, Skulpturen zum Mitgestalten, Performances, Stadtspaziergänge, Kochshows, Workshops, „Tischgespräche“, Screenings, Diskussionen und weitere künstlerische Interventionen.

Die Beschäftigung mit Ernährung beginnt mit dem Mund, der das Essen und das Trinken aufnimmt und von Beginn über unsere ganze Existenz entscheidet. Der Mund ist wie das Innere einer Architektur, ein Kosmos – groß und weit. In ihm werden nicht nur Bissen abgetastet, gemessen, hin- und hergeschoben, ‚entsorgt’; in ihm werden mit Hilfe der Zunge und der Lippen die Worte, die wir in vielen Variationen aussprechen, geformt. Die Worte sind das Ergebnis von Gedanken und Emotionen, die unter anderem auch beim Essen eine sinnliche Anregung finden. Wortreiche Sätze bilden eine Flut von Gedankenaustausch. Ist es ein Gespräch über das Essen, so beginnt es gewöhnlich klein und unmittelbar über Geschmack, Preis, Ästhetik. Ist es ein ausuferndes Gespräch, so schweift es in die endlosen Weiten unseres komplexen Lebens und streift Begriffe wie das Freihandelsabkommen TTIP, Ernährungssouveränität, Nahrungsmittelspekulation, Genmanipulation, Landraub und Produktionsverhältnisse.

Das Festival SOHO in Ottakring 2016 setzt dort an, wo die Nahrungsaufnahme beginnt, nämlich beim Essen und den frühesten Erinnerungen an das Essen. In Taste of Home – wie schmeckt dein zuhause? und So is(s)t Sandleiten werden an Geschmack und Gerüche der Kindheit von zu Hause erinnert, die individuell und doch kulturell einverleibt wurden. Die Ergebnisse dieser Erkundungen werden im Rahmen des Festivals multimedial präsentiert und durch Interaktion mit den BesucherInnen weiterentwickelt. Die Küchenskulptur, einem Stadtmöbel, an dem gemeinschaftlich gebaut werden kann, lädt dazu ein, zu kochen, zu kosten oder einfach zu verweilen!

In Bezug auf energieeffizientes, „smartes“ Wohnen mit vollem Einsatz von Technologie wird in smacoo!! beim Essen und Plaudern die Frage gestellt, wie viel „smartness“ der Mensch verträgt und wie verantwortlich er es mit dem Kochen meint. Denn Wien wächst, wie wir wissen. Auch wenn Wien bereits schon einmal gewaltig gewachsen ist, nämlich von 1870 -1910 waren ca.1,3 Millionen Menschen zugewandert, so dass Wien zu Beginn des 1. Weltkriegs mit 2,1 Millionen EinwohnerInnen die viertgrößte Stadt der Welt war. Wenn wir also an die Zukunft denken und Wien eine von Zuwanderung geforderte Stadt ist, so sind Visionen für eine bessere, Energie effiziente lokale Versorgung der Stadt von steigendem Interesse, präsentiert in Skyberries über vertikale Landwirtschaft in der Stadt.

Aber auch neue Ansätze zu Fragen des Zusammenlebens sind gefordert. Eine Fusion verschiedener Kochtraditionen könnte der Beginn einer zeitgemäßen, inkludierenden Geschmacksanpassung sein, wie etwa am Halal Würstelstand, der in ur-wiener Würstelstandtradition neue Kreationen anbietet, eben halal und ohne Schwein – oder in Pierogy to go, wo hybride, durchaus schmackhafte Teigtaschenvariationen selbst hergestellt und gekostet werden können. Auch zwei weitere Koch-Workshops bringen viele Themen in den Kochtopf. Wie etwa bei Leguminosen, wo alles rund um Hülsenfrüchte, die in vielen Ländern der Erde essentielle oder ausschließliche Nahrungsmittel sind, zum Thema wird. Bei KAMA stehen Austausch und interkultureller Dialog mit einer asylsuchenden Köchin, die ihr Wissen weitergeben möchte, im Vordergrund.

Geschmacksverirrungen, ökonomisch getrieben, finden Auswüchse in unserer Gesellschaft, die nicht oft genug thematisiert werden können.
Der Film McLibel über einen gerichtlichen Feldzug gegen eine krankmachende Maschinerie mit dem Namen McDonalds zeichnet akribisch den Mut und das Durchhaltevermögen zu Widerstand. Im Film Landraub wird die weltweite Übermacht von Profitgier, die vor keinem Landstrich halt macht, detailreich vor Augen geführt.
Auch historische Bezüge finden im Rahmen des Festivals Platz, zum Beispiel bei sarmak, yok dolma – gewickelt, nicht gefüllt. Hier werden Krautwickel in der Eröffnungs-Kochshow in einen kulturhistorischen Zusammenhang gestellt. In EIN.KÜCHEN.BAU, einem Modell der Einbauküche als einsamen Ort der Essenszubereitung, wie wir ihn heute oft kennen, wird ein thematischer Bezug zu der von der Architektin Grete Schütte-Lihotzky für Arbeiterinnen entwickelten
Frankfurter Küche geschaffen. Im temporären Kaffeehaus Kahvehane Kongresspark wird der Kaffee, einem im Alltag als unverzichtbar eingebetteten Getränk mit vielen länderspezifischen und identitätsstiftenden Zubereitungsarten, in Zusammenhang mit der eigentlichen Herkunft der Kaffeebohnen gebracht. Auch das Projekt Geschichte einer Gasse setzt sich mit der kräftigen Bohne auseinander. Hier wird der Verbindung mit der in Sandleiten angesiedelte Firma Julius Meinl und ihre Bedeutung für die Umgebung nachgegangen. Und schließlich führt der ur-Ottakringer Nachtwächter mit seinen Anekdoten durch Sandleiten und erzählt über die heute kaum vorstellbaren Quellen der Essensbeschaffung im Sandleiten der 20er Jahre.

Nicht zuletzt können die sehr komplexen Zusammenhänge unseres globalen Ernährungsnetzwerkes erlebt und diskutiert werden. IN MEMORIAM stellt den traurigen Verlust der Artenvielfalt durch genmanipulierten, monopolisierten Anbau dar. In Tischlein deck dich kann die Frage „was will ich (warum) essen“ selbst spielerisch ausprobiert werden und die Installation Vom Löffel in der Hand zum Mund mit 300 verbogenen Löffeln ist eine symbolträchtige Darstellung von Massenbewegung. KONGR/ESS/PARK-Ralley lädt Kinder zum Spiel ein – zu neuen Erfahrungen und Entdeckungen über Essen und Ernährung, die nicht immer leicht zu verstehen sind. Lebensmittel in Kuba – hip, ökologisch und eine Notwendigkeit bietet einen ganz anderen Blickwinkel auf die Praxis politisch bedingter Ernährungssouveränität und im Supermarkt Interspar können durch Nachhaltiges Ordnen die angebotenen Produkte zu Ressourcenverbrauch, Nachhaltigkeit und anderen Fragen geistig neu verarbeitet werden.
Das Symposium Just Food ist eine spannende, diskursive Auseinandersetzung mit Themen wie Verteilungsgerechtigkeit, Zugang zu Ressourcen, Kolonialgeschichte, Globalisierung, urbanen Transformationsprozessen, Migration und Geschlechterfragen am Beispiel internationaler AktivistInnen. Studierende des Lehramts an der Akademie der bildenden Künste thematisieren in ihrer Ausstellung Wo Milch und Honig fließen. Konsumethik und Selbstermächtigung die politische Verantwortung der KonsumentInen, die Grenzen der Kritik und Informationsvermittlung, und sie fragten sich nach alternativen Modellen der Nahrungsmittelversorgung.
In der Ausstellung von Studierenden der kunstschule.wien wird unter dem an Bertold Brecht angelehnten Titel Zuerst kommt das Fressen, dann die Moral eine schmackhafte
und weniger schmackhafte Themenvielfalt künstlerisch verarbeitet.

Wir wünschen ein anregendes, interessantes und unterhaltsames Festival SOHO in Ottakring 2016!

:::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::


Programm F E S T I V A L – E R Ö F F N U N G, Sa 4. Juni:

Ab 17 Uhr sind alle Ausstellungen und Installationen geöffnet! Das alte Museum, Gomperzgasse 1–3, das alte Kino, Liebknechtgasse 32, sowie das Projekt „Kahvehane Kongresspark“ in der alten Milchtrinkhalle im Kongresspark.

image001

Halal-Rapsong von EsRap / DJn Kollektiv Brunnhilde on Decks

WANN: ab 17 Uhr
WO: Kongresspark

Zum Auftakt des Projektes A Wiener, halal! – Der mobile Halal-Würstelstand
Eine künstlerische Intervention im öffentlichen Raum
von der Brunnenpassage mit dem Designkollektiv „Františeks Praktikanten“
und in Zusammenarbeit mit dem Halal-Experten Şakir Turan

Titelbild: ©Halal Würstelstand

:::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::

sarmak, yok dolma_©grenzenloser Genuss

FESTIVALAUFTAKT

WANN: 19 Uhr
WO: Altes Museum

Einführende Worte:
Hansel Sato, Künstler und Teil des kuratorischen Teams von SOHO in Ottakring
Eva Weißmann, Bezirksvorsteher Stellvertreterin des 16. Bezirk
Andreas Mailath-Pokorny, Kulturstadtrat

sarmak, yok dolma – Gewickelt, nicht gefüllt
Eine kulturhistorische, multidimensionale Kochshow von Markus Weber, Laura Hermann und Florian Steininger. Susanne Zimmel alias Frau Ziii kocht… Krautwickl – vor Ort.

Am Kreuzungspunkt von Kochshow, Anekdoten und Gschichtl’n aus aller Welt, kulturhistorischem Vortrag, Oral History und Reisebericht hat bei SOHO in Ottakring 2016 ein neues Bühnenformat Premiere. Während eine Köchin Krautwickler bzw. Krautrouladen zubereitet, erfährt das Publikum vieles rund um die Geschichte, die Wanderung und die Einverleibung dieses Gerichts in unterschiedliche „nationale“ Küchen. Unterstützt wird sie dabei von einer Moderatorin und einem Wissenschaftler, ergänzt wird die Show durch vorproduzierte zugespielte Interviews auf großen Projektionen.
Die „multidimensionale kulturhistorische Kochshow“ trägt dabei einerseits der rezenten Begeisterung für das Kochen als Lifestyle-Narzißmus und andererseits für die intensive Beschäftigung mit Alltagsgeschichte in den Kulturwissenschaften Rechnung.

Mit freundlicher Unterstützung der Fa. Radatz sowie der Schule für Dekorations- und Theatermalerei – Beate Wagner.

Titelbild: ©grenzenloser-Genuss

:::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::


Im Anschluss an den Auftakt kann im alten Kino das Tanzbein geschwungen werden.
Dj Thomas von K sorgt für die richtigen Beats.

WANN: ab 21 Uhr
WO: bei der trennBAR im alten Kino

Print Friendly