Hauptsujet 'Die Arbeit ist noch nicht zu Ende' Fotocredit: honey&bunny

Ausstellung ‚Die Arbeit ist noch nicht zu Ende‘

Die Arbeit ist noch nicht zu Ende

Eine Ausstellung zu Praktiken der Anerkennung in der Arbeitswelt

 

Mit Beiträgen von: honey&bunny | Belinda Kazeem-Kamiński | Wolfgang Krammer | FXXXismToshain/Ceeh
Kuratiert von: Marie-Christine Hartig, Hansel Sato und Ula Schneider

Eröffnung: Di 24. Oktober 2017, 19 Uhr
Dauer: 25. Oktober bis 12. November 2017

Öffnungszeiten: Mi – Sa 16 – 20 Uhr, So 14 – 17 Uhr
Führungen: So 5. November 16 Uhr, Mi 8. November 18 Uhr

Werkzeug-Gespräch: 9. November, 19 Uhr
Ort: Altes Kino im Sandleitenhof, Liebknechtgasse 32, 1160 Wien
Erreichbarkeit: Straßenbahn Linie 2 | 10 Station Liebknechtgasse

Eintritt frei!

 

Die Arbeit ist noch nicht zu Ende

Eine Ausstellung zu Praktiken der Anerkennung in der Arbeitswelt

In den modernen westlichen postindustriellen Gesellschaften ist Arbeit immer noch wesentlich für Anerkennung, Sinnfindung, und Überwindung von sozialen Ungleichheiten. Die Erwerbstätigkeit von Frauen oder die berufliche Integration von Migrant*innen sind gute Beispiele, die uns zeigen, wie Teilhabe an der Arbeitswelt zu Selbstermächtigung und soziale Gerechtigkeit führen kann.

Der Arbeitsplatz ist vor allem ein Ort der Auseinandersetzung mit sozialen Realitäten: Menschen lernen mit Kolleg*innen umzugehen, sie lösen Probleme und werden dadurch selbstbewusster, sie erweitern ihr soziales Umfeld und fühlen sich nützlich und integriert.

Andererseits bewirken Arbeitslosigkeit und gesetzlicher Ausschluss aus der Erwerbstätigkeit Anerkennungskrisen. Gleichermaßen führen Tätigkeiten, die im Arbeitsleben nach neoliberalen Kriterien als minderwertig oder als nichts – also weder Erfolg noch Anerkennung – bringend zu Erfahrungen fehlender sozialer Achtung und zu einem sinkenden Selbstwertgefühl. Ebenso hindern prekäre und flexible Arbeitszeitstrukturen daran, eine Sache wirklich gut zu machen und die Arbeit als erfüllend zu erleben.

In der Ausstellung „Die Arbeit ist noch nicht zu Ende“ sind vier künstlerische Positionen zu sehen, die sich mit Themen zu Arbeits- und Produktionsverhältnissen befassen, mit deren Bewertung aufgrund von Machthierarchien, mit Ausgrenzungen in der Arbeitswelt und mit Strategien der Selbstermächtigung.

Die Ausstellung ist Teil von SOHO in Ottakring 2017/18  „J E N S E I T S  D E S  U N B E H A G E N S – Vom Arbeiten an der Gemeinschaft“.

 

Künstlerischen Beiträge im Detail

PUTZEN

Ausstellung mit Fotografien

Von: honey and bunny

Putzen ist keine einfache Aufgabe. Es erfordert Wissen und soziales Verständnis, es setzt die Kenntnis kultureller Überlieferungen, Traditionen und Techniken voraus.

Rund ums Putzen haben sich unzählige Gewohnheiten, Techniken und Rituale entwickelt, zu deren Durchführung vielfältige Mittel, Geräte, Apparate, Bürsten, Puder, Flüssigkeiten, Cremen und Pasten, wissenschaftliche und praktische Kompetenzen und Erfahrung nötig sind. Putzen ist Kultur. Jeder Mensch, jede Kultur, jede Epoche putzt anders. Dennoch gilt Putzen als die niedrigste aller Arbeiten, für die keine Kompetenzen erforderlich sind. Menschen, die reinigen, werden keine oder nur sehr geringe geistige Fähigkeiten zugetraut. Wer für andere putzt, tut dies gezwungenermaßen, weil sie (oder er) nichts anderes kann, so die gängige Meinung. Die Frage, wer putzt, offenbart das hierarchische System einer (unserer) Gesellschaft.

honey&bunny (Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter)

2003 gründeten Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter das interdisziplinäre Designatelier honey&bunny in Wien. Seit mehr als 13 Jahren beschäftigen sie sich mit food design. Seit 2016 arbeiten sie an dem Buch CLEAN DESIGN, einem Projekt über das Putzen.

www.honeyandbunny.com

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TEACHING WHILE … AN INVITATION (dt. Lehren als … eine Einladung)

Installation mit Text und Fotografien

Von: Belinda Kazeem-Kamiński

Wie gestalten sich die Arbeitsbedingungen Schwarzer Lehrender an mehrheitlich weißen Bildungseinrichtungen? Auf welche Art und Weise verschränken sich Diskriminierung und universitärer/schulischer Alltag im Leben von Lehrenden, die aufgrund ihrer Herkunft oder Biografie nicht zur Dominanzgesellschaft gezählt werden? Welche Strukturen des Empowerments (dt. Ermächtigung) gilt es in Räumen des Lehrens und Lernens aufzubauen?

Ziel des Projektes Teaching while … An Invitation ist es sich mit den Mitteln von Sound und Fotografie mit universitären und schulischen Strukturen und den Herausforderungen, die das Lehren in diesen Räumen mit sich bringt, auseinanderzusetzen. Die im Rahmen von SOHO in Ottakring gezeigten Fotografien bilden den Ausgangspunkt für die Serie, sie sind eine Einladung an Lehrende of Color ihr Erfahrungswissen zu reflektieren und in einen Dialog einzutreten, mit dem gemeinsam über Arbeitsrealitäten und die Möglichkeiten empowernder (dt. ermächtigender) Veränderungen nachzudenken.

Teaching while … An Invitation ist ein Nachfolgeprojekt der Serie Naming what was once unameable (dt. Benennen was einst nicht zu benennen war), einem ongoing project (dt. fortlaufenden Projekt), welches die Kindheitserfahrungen von im deutschsprachigen Raum aufgewachsenen Women of Color als Ausgangspunkte nimmt, um eine Sprache zu finden für die vielschichtigen Diskriminierungen, die in der Kindheit erfahren wurden, jedoch nicht als solche benannt werden konnten. Ein besonderer Fokus des Projektes lag auf der Auseinandersetzung mit Erfahrungen in Bildungseinrichtungen.

Teaching while … An Invitation konzentriert sich nun auf diese Orte, als Kontexte in denen Diskriminierung inheränter Bestandteil von Lern- und Lernprozessen ist.

Belinda Kazeeem-Kamiński ist Kulturtheoretikerin, freie Autorin, Künstlerin und Teil der Recherchegruppe zu Schwarzer österreichischer Geschichte und Gegenwart. Sie studierte Internationale Entwicklung an der Universität Wien. Sie arbeitet zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Dekolonisierung. 2016 wurde Belinda Kazeem-Kamiński im Bereich Bildende Kunst und Kunstfotografie mit dem Theodor Körner Preis ausgezeichnet.

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W A S T E

Bild und Textzyklus

Von: Wolfgang Krammer

Unser Leben landet im Müll. Oder wie soll man’s nennen, wenn Dinge und Gegenstände, die uns in sehr privaten, nicht selten intimen Situationen umgeben haben, oft schon nach kurzer Zeit im Müll landen.

Möbel zum Beispiel. Selbstbedienungsartikel, die schlussendlich achtlos weggeworfen werden. Aber kann man Freude haben an Dingen in deren Produktionskette Menschen arbeiten, die für ihre Arbeit kaum Wertschätzung erfahren? In deren Entstehungsgeschichte vom Baum zum Kästchen sich Arbeitsschritte, die keine Beachtung finden, aneinander reihen? Die so entsorgt werden, wie sie entstehen? Als anonymer, achtlos weggeworfener Artikel.

In diesem Bild/Textzyklus sollen der Anfang und das Ende im Zentrum stehen. Als Rahmen für die kurze Zeit des möglichen Glücks. Die kurze Zeit der Wertschätzung.

Wolfgang Krammer ist Fotograf mit den Schwerpunkten Landschaftsfotografie und Stadtlandschaften.

Gemeinsam mit seiner Frau betreibt er den Krammer-Verlag am Standort im Sandleitenhof und einen Bauernhof im Weinviertel.

www.wolfgang-krammer.com

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FLUXUS FIRE

Installation

Von: FXXXismTOSHAIN/CEEH

Wie kann das Arbeitsverhältnis einer freien Künstlerin definiert werden? Als ein Arbeitsverhältnis zu sich selbst? Als ein Arbeitsverhältnis zu einer Kuratorin? Als ein Arbeitsverhältnis zum Galerist? Oder einem Sammler? Als ein Arbeitsverhältnis zu einem Museum? Im Kontext oder Arbeitsverhältnis zur Kunstgeschichte? Zur Gesellschaft? Zur Biopolitik? Zu niemanden und nichts?

Welche gesellschaftliche und politische Relevanz hat sie im Vergleich zur üblichen “Arbeit”? Welchen materiellen oder immateriellen Wert haben ihre Produkte und wer kann diesen definieren und/oder bestimmen? Wie sollen sie sich in den gängigen Kunstbetrieb bzw. Ausstellungsstrukturen eingliedern? Und sollen sie es überhaupt?

Wo fängt die Rolle/ Bedeutung der künstlerischen Arbeits-Produkte an und wo endet sie? Bzw. soll diese definiert und thematisiert werden?

Als Höhepunkt dieser diskursiven Auseinandersetzung lässt das Art-label FXXXismTOSHAIN/CEEH eine Kunst-Betrieb und Ausstellungs-Strukturen kritische performative Happening-Aktion durchführen, im Rahmen welcher das Künstlerinnen-Duo ihr Kunst-Archiv öffentlich verbrennt.

„Fluxus Fire“ ist eine künstlerische Referenz zu Ben Vautier´s „Total Art Matchbox from Flux Year Box 2“ .1968, Fluxus Edition unannounced.

Iv Toshain und Anna Ceeh gründeten 2012 das Art-Label FXXXismTOSHAIN/CEEH (Vienna – Sofia – St. Petersburg), welches eine kritische Position gegenüber Ideologien einnimmt und als Plattform für das Hinterfragen institutioneller Aktivitäten dient. www.fxxxx.me

Iv Toshain wurde 1980 in Sofia, Bulgarien geboren. Seit 2001 lebt und arbeitet sie in Wien. Nach dem Studium an der Accademia delle Belle Arti di Brera in Mailand, Italien und an der Nationalen Kunstakademie in Sofia, Bulgarien sowie dem MA-Abschluss in der Meisterklasse von Franz Graf an der Akademie der Bildenden Künste Wien, nahm sie an zahlreichen internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen teil.

Anna Ceeh ist Foto- und Videokünstlerin, Veranstalterin und Managerin des Labels Laton. Kunst setzt Anna Ceeh als Modell kultureller, sozio- und genderpolitischer Analysen ein.

www.annaceeh.com, www.fxxxx.me

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VERANSTALTUNGSTERMINE

  • Dienstag, 24. Oktober

Eröffnung um 19 Uhr

Einführende Worte: Hansel Sato, Ko-Kurator

  • Sonntag, 5. November, 16 Uhr  

Führung durch die Ausstellung

mit den KuratorInnen

• Mittwoch, 8. November, 18 Uhr

Führung durch die Ausstellung

mit Hansel Sato und Studierenden des künstlerischen Lehramts an der Akademie der Bildenden Kunst, Wien

  • Donnerstag, 9. November, 19 Uhr

       5. Werkzeug-Gespräch im Rahmen der SOHO Reihe Werkzeug-Gespräche:

„Leben und Arbeiten im Wandel – Utopien des Zusammenlebens“

Erzählerin: Brigitte Kratzwald

In Kooperation mit: Verein Stadtwurzel

Kurzfilm: EVVIVA FUTURISTA – Hoch lebe der Futurist

Unser gegenwärtiges Wirtschaftssystem vermag nicht das Potential an arbeitswilligen Menschen auf eine produktive und wohlstandsorientierte Weise einzusetzen. Im Alltag werden als Arbeit all jene Tätigkeiten verstanden, die für andere gemacht und anschließend entlohnt werden. Im Sprachgebrauch setzen wir den Begriff Arbeit der Bedeutung von Erwerbsarbeit gleich. Es macht jedoch Sinn, den Begriff Arbeit weiter zu denken.

Es braucht eine gemeinsame Vision für Solidarität, Menschenwürde, Mitbestimmung und Transparenz, ökologische Nachhaltigkeit sowie sozialer Gerechtigkeit. Neue Ideen wie die der „Gemeinwohl Ökonomie“ und der “Commons“ Bewegung bieten Lösungen für das 21. Jahrhundert.

EVVIVA FUTURISTA – Hoch lebe der Futurist

Christopher Stöckle&Stefan Sick | Deutschland 2011| 10 Min.

Ein Kurz-Dokumentarfilm über die Interaktion zwischen Mensch und Maschine in der gegenwärtigen Arbeitswelt. Anhand von Berufen wie Metallgießer, Wissenschaftler, Büroangestellte, etc. wird der Frage nachgegangen, inwieweit die Technisierung unserer Berufswelt, bzw. Gesellschaft vorangeschritten ist.

Brigitte Kratzwald ist Sozialwissenschaftlerin und Aktivistin mit Arbeitsschwerpunkt auf den Themen Commons und Solidarische Ökonomie.

http://www.sohoinottakring.at/werkzeug-gespraeche-2017/

Mit freundlicher Unterstützung von:

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