Regendering Media - Hansel Sato

Regendering Media

Regendering Media – “Männer”  

Plakataktion von Hansel Sato, 6.10 – 30.11 2011, Resselpark (Karlsplatz)
Alle, die der tägliche Weg zur U-Bahn durch den Wiener Resselpark führt, werden diesen zwischen 6. und 30. Oktober durch die Plakate des Künstlers Hansel Sato anders vorfinden. Satos Plakate setzen sich kritisch mit der Darstellung von Männern in den Massenmedien auseinander und antworten auf die immerwährende Wiederholung von Geschlechterstereotypen mit wenig sichtbaren männlichen Lebensrealitäten. Dabei sollen insbesondere Personen angesprochen werden, die sich mit der Gender-Problemaik noch nicht auseinandergesetzt haben. Dies soll durch die Nutzung von stark frequentierten öffentlichen Orten als Display erreicht werden. “Männer” wird im Rahmen von Soho in Ottakring organisiert und ist Teil des Projekts „Regendering Media“.
Werkzeug-Gespräch 4: Regendering-Media Link zur Podiumsdiskussion-Podcast der Wiener Hauptbücherei http://www.buechereien.wien.at/de/programm/podcasts/showall/2
Ein Projekt von Hansel Sato
21.9.2011, 19:00 Uhr
Hauptbücherei am Gürtel
Urban-Loritz-Platz 2a, 1070 Wien
Special Guest: Hansel Sato, Künstler
Kommentare: Beate Hausbichler (diestandard), Journalistin; Kerstin Kellermann, Journalistin; Lea Susemichel, Journalistin
Moderation: Andrea Klement, Philologin und Genderforscherin Zusammenfassung: Elisabeth Mayerhofer
Podiumsdiskussion zu Geschlechterkonstruktionen in den Massenmedien
Zusammenfassung: Elisabeth Mayrhofer Mediale
Geschlechterkonstruktion beeinflussen individuelle Geschlechterkonzeptionen. Ausgehend von dieser Annahme, stellte Andrea Klement der Diskussion eine Zusammenfassung an verschiedenen Daten aus aktuellen Statistiken zu voran, die beschreiben, wie es um die Geschlechteridentitäten besonders von jungen Menschen in Österreich bestellt ist. Dabei fällt auf, wie wenig sich die, sämtlichen sozialen Konstruktionen zugrunde liegenden, Machtverhältnisse in den letzten Jahren geändert haben. Mögen Identitäten und soziale Verortungen zwar beweglicher geworden sein, die Verteilung von ökonomischen Ressourcen hat sich nur wenig verändert. Welche Rolle spielen nun Medien in diesem Kontext? Sind sie ein bloßer Spiegel der Gesellschaft, der einfach zurückwirft oder kommt ihnen eine weitaus aktivere, gestaltende Rolle zu? Welchen Einfluss haben feministische Inhalte auf den Mainstream, welche Relevanz haben feministische Projekte wie diestandard und engagierte Einzelpersonen innerhalb von Medienunternehmen? Lea Susemichl zieht die reine Abbildungsfunktion von Medien zugunsten eines reziproken Verhältnisses in Zweifel: Medien produzieren Wirklichkeit, sie stecken durch ihre Auswahlentscheidungen das Spektrum des Denkbaren ab. Hansel Sato betont, dass dies für jede Art der sozialen Konstruktion gilt; frei nach Simone de Beauvoir werden nicht nur „Frauen“, sondern auch „Fremde“ gemacht, d.h. in einem diskursiven Prozess ständig (re)produziert. Medien sind also Spiegel und Verstärker gleichzeitig. Wobei Beate Hausbichler hervorstreicht, dass die Präsenz von alternativen– im Fall von diestandard feministischen – Ansätzen durchaus einen Einfluss auf die gesamte Online-Redaktion ausübe. Allerdings schränkt sie gleich ein, indem sie meint, dass dieser Einfluss nur indirekt wirksam wird. Die Auswahl und Darstellung der einzelnen Themen fällt nach wie vor in die Verantwortung der jeweils zuständigen Ressorts, Diskussionen werden aber allein durch die Anwesenheit einer grundsätzlich anderen Sichtweise ausgelöst. Andrea Klement wirft in diesem Kontext die Frage auf, was sich denn in den letzten 20 Jahren durch frauenfördernde Maßnahmen in der Berichterstattung geändert habe. Kerstin Kellermann, die 1994 eine Studie zur medialen Darstellung von Gewalt an Frauen durchgeführt hat, warnt vor Euphorie: Zwar wird öfter nach Erklärungen für Gewalt an Frauen gesucht, doch bleibt die „Erotisierung der Gewalt“ durch die Bildebene vorhanden. So komme es ihren Beobachtungen zufolge noch immer vor, dass neben einer Meldung über eine verübte Gewalttat Bilder leicht bekleideter Frauen stehen, die hier einen (unbewussten) Zusammenhang entstehen lassen. Neu aufgetaucht ist das Motiv des „Ehrenmordes“, der weit über seine ursprüngliche Bedeutung hinaus für eine Vielzahl an Gewalttaten an Frauen verwendet wird. Die Chiffre „Ehrenmord“ verweist dabei auf den Migrationshintergrund des/der Täter. Vor diesem Hintergrund wirft Andrea Klement die Frage auf, was die Konsumierenden feministischer Medien tun könnten, um den Mainstream zu verändern. Hier werden zwei Punkte angeführt: Einerseits verweist Beate Hausbichler auf die jeweiligen Referenzpunkte österreichischer Medien: Tageszeitungen wie „Der Standard“ oder „Die Presse“ orientieren sich aneinander und an deutschen Medien wie „Die Zeit“. Dies erklärt den Stillstand, der insbesondere auf sprachlicher Ebene herrscht und den auch ExpertInnen wie die Linguistin Luise F. Pusch feststellen. Auf Nachfrage aus dem Publikum, auf welcher Basis redaktionsintern entschieden wird, welches Geschlechterbild den Leser_innen zuzumuten sein, stellte Hausbichler klar, dass dies eher auf diffusen Vermutungen beruhe, denn auf systematischen Beobachtungen und zog eine Parallele zu rassistischen Stereotypen, die auch auf einem konstruierten „wir“ beruhen. Andererseits greifen Initiativen wie die neue Charta für rollenbildneutrale Mediengestaltung1, die das Frauennetzwerk Medien gemeinsam mit der Wirtschaftskammer entwickelt hat, nur bedingt, da sie einen eingeschränktem Fokus auf Berufsbilder und Wirtschaft haben und lediglich auf lokaler Ebene (Lokalteile, Bezirksblätter) umgesetzt wird. Gegen sexistische Werbung in Medien beispielsweise ist die Charta machtlos, da dies auf anderer Ebene entschieden wird. Dennoch ist der Einfluss feministischer Medien und Journalist_innen vorhanden – indirekt, langfristig. Lea Susemichl weist anhand von Beispielen nach, wie die Inhalte feministischer Medien allmählich in den Mainstream diffundieren – von Gewalt an Frauen, Einkommensungerechtigkeit, Abtreibung etc. Direktes, aktuelles Agenda setting hingegen findet nicht statt, was in der täglichen Arbeit auch frustrierend wirken kann. Diesen Befund bestätigt auch Beate Hausbichler: Die Präsenz feministischer Journalistinnen und ihrer Ansätze übt zweifelsohne redaktionsintern einen Einfluss aus: Es färbt ab durch seine bloße Existenz. Darüber hinaus sind feministische Medien wichtig für die feministische Community und die dortige Diskursbildung. Auf die Frage von Hansel Sato nach alternativen Männerbildern in den Medien bedauern die Diskutandinnen das Fehlen einer progressiven Männerbewegung. Die in den letzten Jahren sichtbar gewordenen österreichischen Männerrechtler sind durchgehend einem außerordentlich konservativen Spektrum zuzuordnen, während in Deutschland sogar die Grünen eine progressive Väterbewegung aufweisen. Generell wird beobachtet, dass feministische Inhalte zusehends auf den Bereich beruflicher Karriere beschränkt werden: „Ich will auch Karriere machen“, umschreibt Beate Hausbichler diese Tendenz. Lea Susemichl schließt sich dieser Beobachtung an und kritisiert das Fehlen einer feministischen Perspektive auf sämtliche Teile der Gesellschaft. Hier schließt nun Hansel Satos Projekt „Regendering Media“ an, in dem er die Strategie der Überrumpelung seines Projektes „Österreichische Nachrichten“2) fortführt: Kritische politische Inhalte werden in der Bildsprache und Aufmachung des österreichischen Boulevards dargestellt, die Zeitungen werden an öffentlichen Plätzen wie U-Bahnstationen verteilt. Mit dieser Guerrillataktik werden feministische bzw. anti-rassistische Inhalte an die Rezipient_innen österreichischer Boulevardmedien gebracht. Als Irritation und Überraschung und im besten Fall Auslöser eines Reflexionsprozesses. Regendering media: Plakataktion von Hansel Sato am 6. Oktober 2011 im Resselpark Bericht zur Diskussion auf diestandard:
Viele Zuschreibungen und Erwartungshaltungen gegenüber dem einen oder anderen Geschlecht werden immer noch als selbstverständlich vorausgesetzt. Wie kann eine breite Infragestellung dieser Vorstellungen bei einem möglichst breiten Publikum, jenseits von TheoretikerInnen und AktivistInnen erreichet werden? Was braucht es um die Gender-Thematik wieder „sexy“ zu machen und gängige Geschlechterkonstruktionen, die in vielen Massenmedien transportiert werden, aufzulösen? „Regendering Media“ befasst sich mit dem Geschlechterdiskurs in den Medien und besteht aus zwei Gesprächsrunden, davon eine in Linz und eine in Wien, einer Plakataktion im Wiener Resselpark und einem Printprojekt. Aufbauend auf einer Recherchephase in Form von ExpertInnengesprächen wird versucht mit den Mitteln der Kunst einen aktivistischen Akzent in der Öffenlichkeit zu setzen.
Konzept und Idee: Hansel Sato, Andrea Klement, künstlerische Umsetzung: Hansel Sato
Hansel Sato: Studium der Malerei und Grafik an der Universidad Catolica in Lima und an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Arbeiten zu Transkulturalität und Gesellschaft sowie Postkolonialismus. www.hanselsato.com
Beate Hausbichler: Studium der Philosophie, von 2004 bis 2007  Mitherausgeberin des Magazins “fiber. werkstoff für feminismus und popkultur”, seit 2008 Redakteurin bei dieStandard.at und im Kulturressort von derStandard.at
Kerstin Kellermann: Studium der Publizistik und Kommunikationswissenschaften in Salzburg und Ljubljana, Redakteurin der „art in migration”/SOHO in Ottakring und ständige Journalistin des AUGUSTIN.
Lea Susemichel: Studium der Philosophie und Gender Studies in Wien, Lehrbeauftragte an der Wiener Kunstschule, koordinierende Redakteurin der “an.schläge” und von “an.schläge tv”

Weitere Veranstaltungen:

Linz: Geschlechterkonstruktionen im Internet, 14.9., 20:00 Uhr,  Studio von Dorf TV mit Live Übertragung auf Radio Fro 105,0 MHz Diskussion im Rahmen der »Dorfgespräche« (dorf TV) Mittwoch, 14. September 2011, 20.00 Uhr: dorf TV Studio, Linz
Es diskutierten: Waltraud Ernst, Philosophin seit Juli 2010 Universitätsassistentin am Institut für Frauen- und Geschlechterforschung der Johannes Kepler Universität Linz. Lehr- und Forschungsschwerpunkte: Gender in Science and Technology; Feministische Wissenschafts- und Erkenntnistheorie; Theorien und Methoden der Gender Studies.
Andrea Mayer-Edoloeyi Social Media Managerin der Katholischen Aktion OÖ, Bloggerin, Theologin, Kulturarbeiterin, Feministin und sonst noch so allerlei. Lebt in Linz. http://andreame.at
Brigitte Theißl Studium der Unternehmenskommunikation, Journalismus und Gender Studies, Dissertantin der Publizistik und Kommunikationswissenschaft in Wien, berufliche Auseinandersetzung mit Geschlechterverhältnissen, Medien und Populärkultur, Betreiberin des feministischen Weblogs „Denkwerkstatt“.
Assimina Gouma Kommunikationswissenschaftlerin und Migrationsforscherin. Dissertation zu transnationalen Medienpraktiken mit Fokus auf griechische MigrantInnen. Lehrveranstaltungen zu Medien-Migration-Rassismus und Kritischem Journalismus. Mitglied der Forschungsgruppe “Kritische Migrationsforschung”.
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