Das renommierte Wiener Kunstfestival “Soho in Ottakring” wurde mit dem Würdigungspreis für langjährige Projektarbeit im Bereich des Interkulturellen Dialogs 2008 ausgezeichnet. Die Jury würdigte damit das beinahe zehnjährige künstlerische und kulturelle Wirken im Spannungsverhältnis zunehmend differenter Ansprüche verschiedener Bevölkerungsgruppen, das zum Wandel eines ganzen Viertels beigetragen hat. Der Preis, der im Rahmen des Europäischen Jahres des Interkulturellen Dialogs initiiert wurde, ist mit Euro 11.000 dotiert und wurde gemeinsam mit dem Förderungspreis für ein im Jahr 2008 realisiertes Projekt im Bereich des Interkulturellen Dialogs vergeben.
Der mit Euro 7.500 dotierte Förderungspreis wird an den Verein M-Media – Verein zur Förderung Interkultureller Medienarbeit vergeben. Der Verein widmet sich u.a. der Durchsetzung von medien- und kommunikationsbezogenen Ausbildungsangeboten für MigrantInnen sowie der Verstärkung der Kooperation mit österreichischen Medien, um die Qualität der Berichterstattung über die MigrantInnen zu verbessern und den Zugang zu Massenmedien zu erleichtern und zu fördern. Das ausgezeichnete Projekt ermöglicht es Journalistinnen und Journalisten mit Migrationshintergrund seit Jänner 2008, einmal wöchentlich auf einer Seite in der Tageszeitung “Die Presse” Reportagen, Kommentare und Berichte zu veröffentlichen.
Die feierliche Verleihung der Preise fand am 12. Dezember 2008, um 11 Uhr im Audienzsaal des Palais Starhemberg, Minoritenplatz 5, 1014 Wien statt. (Pressetext BMUKK vom 21.11.2008)
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Dankesrede von Ula Schneider:
“Ich möchte mich im Namen unseres Vereines bei Frau Ministerin Dr. Schmied, bei Frau Dr. Kreidl-Kala, Leiterin der Abteilung 7 der Kunstsektion hier im BMUKK und nicht zuletzt bei Dr. Cornelia Kogoj und den anderen Jurymitgliedern bedanken, dass wir diesen Würdigungspreis heute entgegennehmen dürfen! Wir haben uns darüber sehr gefreut und sehen dies als Ansporn, dass wir unsere Arbeit weiterführen!
Eines unser Anliegen ist, gesellschaftsbezogene Kunst als einen wichtigen Teil der Transformationsprozesse im urbanen Raum stärker zu verankern. In Zukunft haben wir auch vor, die Rolle von Kunst anhand einer trans-disziplinären Praxis in Zusammenhang mit den unterschiedlichen Interessen am öffentlichen Raum in einem internationalen Kontext intensiver zu untersuchen.
Kunst kann integrative und kommunikative Prozesse unterstützen und herbeiführen, Allianzen eingehen, Konfliktlinien aufzeigen und ungewöhnliche Strategien entwickeln. Kunst wird als Gegengewicht, als Freiraum und als ästhetische Reflexion gebraucht. Kunst bietet auch ein breites Feld für Aktivitäten im Bereich des interkulturellen Dialogs.
Was bedeutet eigentlich interkultureller Dialog? Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass Kulturen immer Vermischungen im Fluss sind und dass es homogene Nationalkulturen nicht gibt. Ziel wäre eine trans-kulturelle Gesellschaft, an der alle teilhaben, egal aus welcher nationalen Kultur sie ursprünglich kommen.
Aber um Respekt vor unterschiedlichen Kulturen und Lebensformen entwickeln zu können, müssen auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen auf der strukturellen Ebene stimmen. In einer Dialogsituation geht es schließlich um einen Austausch auf gleicher Augenhöhe, aber bei näherer Betrachtung lassen die gegenwärtigen Machtverhältnisse in vielen Bereichen keine Dialoge zu. Vielmehr ist die Konstruktion „des anderen“ allgegenwärtig – Migration wird als Bedrohung polemisiert und AsylwerberInnen werden kriminalisiert.
In vielen Projekten, die während SOHO realisiert werden konnten, ist es ein besonderes Anliegen, mittels Kunst Freiräume für Artikulation zu schaffen, in denen versucht wird, strukturelle Ungleichheiten wenigstens für den Zeitraum des Projekts außer Kraft zu setzen.
Zehn Jahre lang mit einem Kunstprojekt wie SOHO IN OTTAKRING durchhalten zu können, ist -bis heute- auch mit einem Quantum Glück verbunden. Allein dass die Bezirksvorstehung sehr offen ist und uns immer unterstützt hat, ist keine Selbstverständlichkeit. Die enge Zusammenarbeit mit der Gebietsbetreuung Stadterneuerung im 16. Bezirk ist seit vielen Jahren auch ein wichtiger Anker für unser Projekt.
Und das Engagement aller, die sich über die Jahre mit ihrem Wissen, ihrer Energie und ihren Projekten eingesetzt haben und es auch heute tun – wir haben versucht, in unserer im Mai erschienen Publikation über SOHO IN OTTAKRING* das gebührend darzustellen.
Jedenfalls wird es auch in Zukunft für uns sehr wichtig sein, in Kooperationen zu arbeiten und einen internationalen Austausch zu suchen. Nicht unerwähnt lassen möchte ich zwei mediale Foren, fs soho auf okto und das Kunst- und Straßenmagazin „art in migration“, die durch und mit SOHO IN OTTAKRING entstehen konnten und die auch über das Festival hinaus uns die Möglichkeit bieten, Themen aufzugreifen, die oft im verborgenen bleiben.”
* Schneider, Ula; Zobl, Beatrix (Hrsg.)
SOHO IN OTTAKRING
What’s up? Was ist hier los?
2008, 152 Seiten. Softcover. deutsch/english, SpringerWienNewYork ISBN: 978-3-211-78587-4
24,95 Euro
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