„KICK THE HABIT / PFEIFF DRAUF! Ventil Rassismus.“ 08. Mai – 22. Mai 2010
2010 widmet sich SOHO IN OTTAKRING einer weit verbreiteten „schlechten Angewohnheit“: dem Denken in rassistischen Schemen. SOHO 12 wird sich diesem Problemfeld von zwei Seiten annähern:
Zum einen mit einer Bestandsaufnahme des Status Quo, einem möglichst offenen und reportageartigen („neuen“) Blick auf Rassismus, oder genauer gesagt, die unterschiedlichen Rassismen. Diese manifestieren sich auf vielen Ebenen und stehen zugleich in einer langen, bitteren historischen Tradition: strukturell, ökonomisch, sprachlich, medial und im sozialen Alltag. In Folge der massiven politischen und ökonomischen Veränderungen der letzten 20 Jahre veränderte sich auch die „Qualität“ der rassistischen Argumentationen. Immer mehr rückt der Begriff Kultur in den Vordergrund, das Bewusstsein für verdeckte Klassenkonflikte ist aus den öffentlichen Debatten verschwunden.
Zum anderen wird SOHO 12 zur Versuchsanordnung für die Frage, ob Kunst hier und jetzt politische Wirksamkeit entfalten kann und somit am unvollendeten Projekt Aufklärung weiterarbeitet, dessen aktuelle Form immer auch und vor allem Selbstaufklärung bedeutet: Wo und in welcher Form kann Rassismus überhaupt erkannt werden? Was kann gegen Rassismus erreicht werden?
Unglücklicherweise sehen laut Umfragen die meisten ÖsterreicherInnen dieses Thema ganz anders als dies in unserem Projektteam und bei vielen KünstlerInnen und Intellektuellen der Fall ist. Eine deutliche Mehrheit der Wahlberechtigten lehnt ZuwanderInnen ab, will den aktuellen Zuzug stoppen und den der vergangenen vierzig Jahre am liebsten rückgängig machen. Diese Haltung schlägt sich seit den späten 1980er Jahren bundesweit auch in Wahlergebnissen und politischen Strategien nieder. Jene Parteien, deren Programm sich in Kürze dadurch zusammenfassen lässt, dass immer die „AusländerInnen“ an unserer jeweiligen Misere schuld sind, haben seither viele Wählerstimmen gewinnen können.
Der Vorwurf an uns, die wir Rassismus ablehnen, lautet, wir würden aus ideologischer Verblendung die mit der Zuwanderung verbundenen Probleme nicht wahrnehmen. Zudem kämen wir mit MigrantInnen ohnehin nie in Kontakt, also auch nicht in Konkurrenz (um den Job, den Gehsteig, den Fußballkäfig usw.).
Abgesehen davon, ob dieser Vorwurf berechtigt ist, weist er immerhin auf die unseres Erachtens wesentlichen, nämlich ökonomischen/sozialen, Hintergründe der vorhandenen Probleme hin. Dessen ungeachtet ist aber festzustellen, dass sich statt einer entsprechenden sozial- und wirtschaftspolitischen Antwort ausgrenzende und rassistische Politik in der Metamorphose als „Sicherheitspolitik“ immer stärker auch im politischen Mainstream durchsetzt.
Aus dieser Schere unterschiedlicher Sichtweisen ergibt sich ein scheinbar unauflösliches Problem: die „aufgeklärten Kräfte“ meinen dem „gemeinen Volk“ die Augen öffnen zu müssen – und umgekehrt. Solche pädagogischen Versuche scheitern naturgemäß. Viele künstlerische Arbeiten etwa, die sich mit diesem Thema beschäftigen, tendieren – was die politische Wirksamkeit betrifft – zur Selbstaffimierung. „Preaching to the converted“ nennt man dieses Phänomen in den USA. Obwohl dies nichts mit der genuin künstlerischen Qualität der Projekte zu tun haben muss, scheint es an der Zeit für einen praktischen Versuch über mögliche neue Formen und, noch weiter gedacht, über Sinn und Ziele „antirassistischer Kunst“ zu sein.
Was bleibt, ist die uneingeschränkte Ablehnung der Simplifizierung gesellschaftspolitischer Probleme auf eine rassistische Formel. Worum es geht, ist das Bemühen um eine neue Dynamik der politischen Standpunkte und um eine kraftvolle künstlerische Praxis.
Wenn es uns ernst ist mit dem Überschreiten der engen Grenzen des Kunstfeldes, sehen wir vom SOHO 12 Team hier die Chance, einen mehr als überfälligen gesellschaftlichen Diskurs voranzutreiben im Sinne von: KICK THE HABIT!
Text: Wolfgang Schneider
Was ist Rassismus? Dazu ein schönes Zitat aus dem bayrischen Wikipedia (http://bar.wikipedia.org/wiki/Rassismus):
Rassismus:
Die Grundidee vum Rassismus is, dass irgndwelche Rassen, meistns die eigne, ondare übalegn is und deshoib a Recht hätt die ondan sich selba undazuordna. Olladings gibt’s a subtilare Formen vu Rassismus, wenn ma zum Beispü bei sei Partnawohl Prinzipien gegnüba da Rasse hod, oba a do gält die Idee desjening dea so denkt, dass ea koa “schwoches Bluat” in seina Familie hobn will.
Natialich gibt es wia bei jeda Idee, extremare und gmäßigtere Vatreta, doher gibt’s logischaweis a bestimmte Bewegungen de a rassistische Idee ois Grundlogn hobn.











