Biennales Programm

JENSEITS DES UNBEHAGENS
Vom Arbeiten an der Gemeinschaft

Wenn der Boden wankt und sich die Angst um eine sichere Zukunft wie ein Feuer ausbreitet, dann ist das zarte Flämmchen, das für Demokratie steht, im Herzen vieler Menschen am erlöschen. Es wächst das Unbehagen und damit die Kraft der gesellschaftlichen Spaltung, die dazu führt, die Anderen, die Schwächeren, auszuschließen. Wenn das die Realität ist, verlieren am Ende alle.
Der Wert von Demokratie kommt mit handfesten Dingen: Bildung, Perspektive, soziale Zugehörigkeit, Qualität der Arbeit. Demokratische Werte erscheinen aber angesichts der vielen Krisen, die das Leben der Menschen in unterschiedlicher Heftigkeit berühren, zunehmend sinnentleert und in Frage gestellt. Ist die Demokratie zu retten?

Die Komplexität der Fragen um die Zukunft und die Herausforderungen, die zukünftige Generationen erwarten, sind – auch angesichts der medialen Überflutung – nicht mehr überschaubar. Denn jedes Thema, jedes Problem steht in einer oft ungeahnten Vielzahl an Zusammenhängen.

Andererseits ist es erstaunlich, wie schnell ein System der Interdependenzen zusammenzubrechen droht, wenn die Rädchen ins Stocken geraten – sei es durch Naturgewalten oder endloser Macht- und Ressourcenkonflikten wie im Nahen Osten und in Nordafrika.

Die Folgen – Entwurzelung, Flucht, Radikalisierung, Armut, Tod – bekommen alle zu spüren.

Wenn sich eine demokratisch organisierte, „heile“ Welt bedroht fühlt, wenn ein Nationalstaat in den Strudel des Weltgeschehens gerät, enttarnt sich das neoliberale System, das sich, solange die Verhältnisse halbwegs komfortabel sind, gar nicht bloßstellen will. Denn es will unter dem Deckmantel der Demokratie und solange es geht, alles verschlingen. Zu neokolonialen Praktiken gehören Ausbeutung und Ressourcenvernichtung ebenso dazu.

2017 wird sich SOHO in Ottakring angesichts wachsender Skepsis über Gegenwart und Zukunft der demokratischen Gesellschaft mit folgenden Fragen beschäftigen:
Welche Spielräume können in unserer Gesellschaft entstehen, die jenseits der Logik des Wettbewerbs und der Verdrängung, auf Formen der Inklusion basieren?

Schaffen die sehr ungleichen Zugänge zu Arbeitsverhältnissen eine „Demokratie für Auserwählte“ und wird Demokratie nur noch ein Traum von sozialer Gerechtigkeit sein, weil sie keinen Nährstoff findet?

Jenseits des Unbehagens lauert eine große Sehnsucht: das Leben in Gemeinschaft zu gestalten.

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