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8. Juni 2020

 

 

 

Von stummen Orten: Objekte des Widerstands

Artefakte

Von stummen Orten: Objekte des Widerstands

Martha-Cecilia Dietrich

Brotkrümel, Muscheln, Rinderknochen, Steine, Klopapier, Obstkerne, Kleiderfetzen, das sind die Materialien aus denen politische Häftlinge während des bewaffneten Konflikts in Peru (1980-2000) Objekte anfertigten. In der Einzelhaft kommunizierten sie mit ihren Liebsten anhand selbstgemachter Geschenke. Winzige Artefakte sprachen von großen Themen wie Hoffnung, Hingebung, Entschlossenheit, Liebe und Ausdauer. In der Isolation, wo Beschäftigung und Sprache verboten sind, symbolisieren persönliche Objekte politischen Widerstand, weil sie der menschlichen Existenz eine greifbare Form geben.

Der Ausdruck als politischer Akt macht alltägliche Dinge wie Broschen, Stofftiere, Karten, Figuren und Schmuck zu gefährlich Gegenständen, weil sie sich einem Regime widersetzen, das die Autorinnen nicht hören will.

Die Ausstellung „Von stummen Orten“ stellt Objekte und Geschichten von sechs Frauen, die seit mehreren Jahrzehnten Gefangene in Limas Hochsicherheitsgefängnis von Santa Monica sind, in den Vordergrund und setzt sich mit kritischen Konzepten wie Stimme, Sichtbarkeit und Widerstand auseinander.

Martha-Cecilia Dietrich, *1983 in Wien. 2010-2015 Doktorat in Sozialanthropologie an der University of Manchester. 2015-2020 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Medienanthropologie an der Universität Bern. Gegenwärtig Gastwissenschaftlerin am Centre for Media, Culture and History an der New York University.

 

 

 

 

Artist Statement

 

 

 

 

„Von stummen Orten: Objekte des Widerstands“

Sechs Frauen erzählen von jahrzehntelanger Haft und einem Leben zwischen Repression, Widerstand und Hoffnung.

 

 

Cecilia

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Sara

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Maritza

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Miriam

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Yohani

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Nancy

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Silvia

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Zwischen Erinnerungen

 

 

Entre Memorias (Between Memories) 34’ (2015) GB/Peru

Granada Centre for Visual Anthropology, Universität Manchester

Regie: Martha-Cecilia Dietrich

Seit dreißig Jahren sucht Eudosia nach den Überresten ihres Ehemannes, den sie in einem Massengrab inmitten der Anden Ayacuchos vermutet. Lucero sitzt seit 25 Jahren in Haft wegen Terrorismus gegen den peruanischen Staat. Seit 2009 feiern die Kommandos der Antiterroreinheit Chavin de Huantar ihren heroischen Triumph gegen den Terrorismus. Es sind zwölf Jahre nach Veröffentlichung des Endberichts der peruanischen Wahrheitskommission über die Gräueltaten des bewaffneten Konflikts (1980-2000) und die Erinnerungen an diese Zeit sind umstrittener denn je.

 

Dieser Film untersucht das komplexe Erbe von zwanzig Jahren Krieg und Gewalt in Peru anhand unterschiedlicher Praktiken des Erinnerns. Bestehend aus drei ineinander verflochtenen Filmen, die jeweils in Zusammenarbeit mit Familienangehörigen der Verschwundenen, Rebellen der Revolutionären Bewegung Tupac Amaru (MRTA) und Mitgliedern der Peruanischen Armee entstanden sind, versucht dieser Dokumentarfilm einen audio-visuellen Dialog zwischen Erinnerungen zu kreieren, den es in der Praxis nicht gibt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Brief an die Zuseher*innen von SOHO in Ottakring 2020

Deutsch:

Angesichts der Covid-19 Pandemie meldet sich ein Familienmitglied mittels Briefs an die Zuseher*innen von Soho in Ottakring 2020.

Die globale Situation der COVID-19-Pandemie wirkt sich besorgniserregend auf die chronisch überfüllten Strafanstalten aus. Die peruanische Regierung hat die Entkriminalisierung von 3.000 Insassen für bestimmte Verbrechen angeordnet (aus einer Gefängnisbevölkerung von mehr als 97.000 Gefangenen). Insassen, die wegen Terrorismus inhaftiert sind, wurden vom Entkriminalisierungsprojekt ausgeschlossen.

Derzeit gibt es ungefähr 300 Inhaftierte für das Verbrechen des Terrorismus. Davon sind weniger als 30 Frauen. Die überwiegende Mehrheit befindet sich seit den 90er und 2000er Jahren im Gefängnis, d.h. sie sind seit 25 Jahren oder länger im Gefängnis, weshalb viele von ihnen ältere Erwachsene sind. Im Mai starb einer von ihnen bereits an Covid-19, andere sind infiziert.

Wir Familienangehörige haben ihnen Medikamente gebracht, weil die medizinische Versorgung absolut unzureichend ist. In diesem Moment unternehmen wir unermüdliche Anstrengungen, um uns ihrer prekären Situation zu stellen und auf ihre Gesundheit zu achten.

 

Español:

En vista de la pandemia de Covid-19, un miembro de la familia envía una carta al publico de Soho en Ottakring 2020.

 

La situación mundial de la pandemia del COVID-19 afecta de manera preocupante en estos medios penitenciarios superpoblados y hacinados. El gobierno peruano ha dispuesto la despenalización de 3000 internos de ciertos delitos (de una población penal de más de 97 mil presos). A los internos por terrorismo se les ha excluido del proyecto de despenalización.

Actualmente, queda un aproximado de 300 internos por delito de terrorismo, de los cuales menos de 30 son mujeres. La gran mayoría está en prisión desde las décadas del 90 y 2000, es decir que llevan en cárcel 25 años a más, por lo que muchos de ellos son adultos mayores. En mayo uno de ellos ya falleció por Covid-19, otros están contagiados.

Los familiares, les hemos llevado medicinas, porque la atención médica es absolutamente insuficiente, por lo que en este momento hacemos esfuerzos denodados por afrontar su precaria situación y atender su salud.

 

 

 

 

 

 

Credits

Kuration: Martha-Cecilia Dietrich für Soho in Ottakring 2020

Herstellerinnen und/oder Besitzerinnen der Objekte und Interviewpartnerinnen:

Cecilia Dominguez Berrospi

Sara Vallejo

Maritza Garrido

Miriam Espino

Yohany Espinoza

Nancy Mejia

Silvia Gonzalez