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16. Juni 2020

Debatte

Kunst, Demokratie und Freiheit nach der Pandemie

 

 

Debatte

Kunst, Demokratie und Freiheit nach der Pandemie 

Gesprächsteilnehmer_innen: Oliver Ressler, Gerhild Steinbuch, Ruth Wodak

Moderation: Robert Misik 

 

 

 

 

 

 

Wie „die Welt nach Corona“ aussehen wird, ist völlig unklar. Die einen sagen das Ende des Neoliberalismus bevor, die anderen eine Dystopie autoritärer Überwachungsregime. Ent-Globalisierung wird genauso empfohlen wie das Gegenteil, nämlich planetarische Kooperation. Wer für egalitäre Gesellschaften kämpft, fühlt sich durch die Ereignisse bestätigt, genauso aber rechte Bewegungen, die den Nationalstaat wieder haben wollen. In Ungarn etwa hat der autoritäre Nationalismus die Gelegenheit benutzt, ein paar weitere Schritte zur Entdemokratisierung zu setzen. Anführer, die sich als „tatkräftig“ inszenieren, konnten an Zuspruch gewinnen, zumindest zeitweise. In Zeiten der Angst hat Widerspruch sowieso wenig Resonanzraum. Und zur Bekämpfung der Pandemie wächst auch die Zustimmung zu Maßnahmen, die sonst kaum durchsetzbar wären, wie etwa moderne Trackingssysteme, die die Bürger und Bürgerinnen überwachen. Fürsorgliche, autoritäre Staaten nach chinesischem Muster werden sogar als Vorbilder hingestellt.

 

Wie kann verhindert werden, dass ein autoritärer Kapitalismus zum Gewinner der Krise wird? Oder kann gar eine progressive Agenda, mit Umverteilung und Ausbau von Sozialstaaten reüssieren, weil jetzt wieder der Wert einer guten öffentlichen Infrastruktur allgemein anerkannt ist, einer Infrastruktur, die dem Markt entzogen ist?

 

Welche Rolle können in diesen Auseinandersetzungen Kunst und Kultur spielen? Und wie agieren Kulturschaffende auf globaler Ebene im Kampf für mehr Demokratie und Meinungsfreiheit gegenwärtig?

 

Die Debatte findet in Kooperation zwischen SOHO in Ottakring und dem Bruno Kreisky Forum für internationalen Dialog statt.

 

Oliver Ressler arbeitet als Künstler und Filmemacher zu Themen wie Ökonomie, Demokratie, Migration, Klimakrise, Formen des zivilen Ungehorsams und gesellschaftlichen Alternativen. Er hat 34 Filme fertiggestellt, die in tausenden von sozialen Bewegungen organisierten Veranstaltungen, in Kunstinstitutionen und bei Filmfestivals gezeigt wurden. Ressler nahm an über 400 Gruppenausstellungen teil, u.a. im Museo Reina Sofía, Madrid; Van Abbe Museum, Eindhoven; MASSMoCA, North Adams, USA; Centre Pompidou, Paris; CCK, Buenos Aires; und an den Biennalen in Prag (2005), Sevilla (2006), Moskau (2007), Taipeh (2008), Lyon (2009), Gyumri (2012), Venedig (2013), Athen (2013, 2015), Quebec (2014), Helsinki (2014), Jeju (2017), Kiew (2017), Göteborg (2019) und Stavanger (2019), und an der Documenta 14, Kassel, 2017 (als Teil der Sammlungsausstellung des EMST).
www.ressler.at
https://vimeo.com/oliverressler

 

Gerhild Steinbuch ist Dramaturgin und aktives Mitglied im Verein DIE VIELEN. Der Verein DIE VIELEN fördert die Kunst genreübergreifend als Wegbereiterin einer gleichberechtigten, offenen Gesellschaft.

https://www.dievielen.de/dievielen 

https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhild_Steinbuch 

 

 

Univ. Prof. Dr DDr.h.c. Ruth Wodak

Em. Distinguished Professor of Discourse Studies (Diskursforschung), Lancaster University (UK) und o. Univ. Professorin i.R. für Angewandte Linguistik, Universität Wien.  Abgesehen von einer Vielzahl von Preisen, erhielt sie 1996 den Wittgenstein Preis für Elite WissenschaftlerInnen. 2010 wurde ihr ein Ehrendoktorat der University Örebro, Schweden verliehen, 2020 ein Ehrendoktorat der University Warwick, UK. 2009-2011 war sie Präsidentin der Societas Linguistica Europaea, 2011 wurde ihr das Große Silberne Ehrenkreuz für Verdienste um die Republik Österreich verliehen. 2018 erhielt sie den Lebenswerk Preis des Frauenministeriums. Sie ist Mitglied der Academia Europaea und der British Academy of Social Sciences. 

Zahlreiche Gastprofessuren, darunter 1992/3 Austrian Chair, Stanford University, 2003/4 Leverhulme Visiting Professorship an der University of East Anglia, Norwich UK; 2008 den Kerstin Hesselgren Visiting Chair of the Swedish Parliament, Örebro University, 2014 Royden J. Davis Chair for Interdisciplinary Studies, Georgetown University, Washington DC, 2016 war sie Distinguished Schuman-Fellow am European University Institute, und 2017 wurde sie als Willy Brandt Chair an die University Malmö (für eine ein-jährige Gastprofessur) berufen. Derzeit ist sie senior visiting fellow am IWM (Wien).

Forschungstätigkeit in folgenden Gebieten: kritische Diskursforschung, Sprache und Politik (Populismusforschung), Identitäts- und Vergangenheitspolitik, Gender Studies, Migrationsforschung, und linguistische Vorurteilsforschung zu Rassismus und Antisemitismus. Zahlreiche Publikationen in all diesen Gebieten, die u.a. ins Englische, Französische, Italienische, Polnische, Spanische, Portugiesische, Hebräische, Russische, Koreanische, Japanische, Arabische, Griechische und ins Chinesische übersetzt wurden.

Rezente Buchpublikationen: Identitäten im Wandel (mit R. De Cillia et al.), Springer 2020; Sociolinguistic Perspectives on Migration Control (mit M. Rheindorf), Multilingual Matters 2020; Europe at the Crossroads. (mit P. Bevelander), Nordicum 2019; Kinder der Rückkehr. Geschichte einer marginaliserten Jugend (mit E. Berger), Springer 2018; Handbook of Language and Politics (mit B. Forchtner), Routledge 2018; Politik mit der Angst. Zur Wirkung rechtspopulistischer Diskurse, Konturen 2016 (2017 als Wissenschaftsbuch des Jahres in der Sparte Sozialwissenschaften ausgezeichnet).

http://www.lancaster.ac.uk/linguistics/about-us/people/ruth-wodak

 

 

Robert Misik ist Journalist und  Sachbuchautor. Zu seinen Themen gehören die Kritik von Kapitalismus und Globalisierung, österreichische und deutsche Tagespolitik, die Geschichte der Sozialdemokratie und das Verhältnis von Konsumkultur und Warenproduktion. Besonders engagiert sich Misik in theoretischen und politischen Debatten. Am Bruno Kreisky Forum für internationalen Dialog leitet er die Veranstaltungsreihe Genial dagegen. Er lebt und arbeitet in Wien.

https://misik.at/

 

 

© Caterina Krüger